Sat 27 Feb 2016
News - Jean Guill speech & interview
Description
On 2015 ILA published the report on “Group Interest and subsidiary governance in Luxembourg” including recommendations which could be considered by both the group boards and the board of their subsidiaries. Continuing with the effort to promote best practices in the field of corporate governance in Luxembourg and to further explore the roles and responsibilities of subsidiary boards, ILA jointly with IBF organized the conference on “Corporate Governance in a Group Environment” last 7th of February.

See attached Jean Guill's conference openning speech, and a short post-conference interview below (both in German):

Interview Jean Guill

Braucht Luxemburg eine rechtliche Anerkennung des Gruppeninteresses?

Ich denke zunächst einmal, dass es nicht notwendig ist, das Konzept der „Gruppe“ einheitlich auf gesetzlicher Ebene zu definieren. Es ist gut, wenn dort die notwendige Flexibilität besteht - so wie es allgemein in unserer Gesetzgebung gehandhabt wird. Das Gruppeninteresse ist ja im Finanzsektor in den vielen, bestehenden Regularien schon berücksichtigt. Die Frage ist jetzt, ob man auch in anderen Wirtschaftsbereichen das Gruppeninteresse rechtlich stärker verankern sollte. Das ginge allerdings zur Zeit vielleicht noch etwas zu weit. Aber nützlich könnte es schon sein, wenn sich zum Beispiel die Gerichte in Konfliktfällen der Gruppenperspektive bewusst wären und diese dann auch mit in Betracht ziehen würden.

Wie vereinbart sich das Interesse der Luxemburger Tochtergesellschaft mit dem Interesse der Eigentümer / der Muttergesellschaft?

Insofern das Interesse einer Tochtergesellschaft auch im gemeinsamen Interesse ihrer Eigner besteht, dürfte es im Normalfall prinzipiell eine Kohärenz zwischen diesen Interessen geben. Umso mehr ist dies der Fall in einer Gruppe und ganz besonders wenn die Mutter alleinige Aktionärin der Tochter ist. Das gilt im Bankensektor hier in Luxemburg sehr häufig.

Jetzt kann es natürlich doch zu Situationen kommen, in denen es einen begrenzten Interessenkonflikt geben kann. Im Finanzbereich ist es indes, wie schon erwähnt, so dass das Gruppeninteresse weitgehend berücksichtigt wird und die Tochter also die Interessen der Mutter und der Gruppe in Betracht zu ziehen hat. In der neueren Bankengesetzgebung ist zum Beispiel ausdrücklich die Möglichkeit vorgesehen, dass die Tochter auf freiwilliger Basis und ohne sich selbst zu gefährden, der Mutter helfen kann.

Wäre es eine mögliche Entwicklung für Luxemburg, dass der Regulator Aufsichtsratsmitglied wird wie zum Beispiel in den Niederlanden?

Ich habe das in der Vergangenheit nicht befürwortet und würde es auch heute nicht befürworten. Ich denke, wenn der Regulator auch nur als Zuhörer mit am Tisch sitzt, führt das zu einer merkwürdigen Vermischung der Kompetenzen und Verantwortlichkeiten. Ich kann zwar verstehen, dass es für den Regulator von grossem Interesse sein kann, die wirklichen Abläufe im Innenleben einer Gesellschaft mitzubekommen. Er würde dann sicher die einzelnen Mitglieder besser kennen lernen und vielleicht sogar ihre „fit- and properness“ besser einschätzen können. Dennoch denke ich nicht, dass es die richtige Vorgehensweise wäre,

Meiner Meinung nach hat jeder seine eigene Verantwortung und Kompetenz. Dies gilt auch innerhalb einer Gesellschaft. Es ist sicher gut, dass in den letzten Jahren mehr Gewicht auf Zusammensetzung und Rolle des Verwaltungsrats gelegt wurde. Dennoch sollte man hier nicht zu weit gehen. Vorstand ist Vorstand und Aufsichtsrat ist Aufsichtsrat.

Wenn beide Gremien gut zusammen arbeiten, ist das sehr positiv, aber eine Vermengung sollte man vermeiden.

Gibt es noch Gesetzeslücken im Finanzbereich?

Ich denke, in den letzten Jahren wurde so viel reguliert, dass kaum noch wesentliche Lücken bleiben können, es sei denn hier und da bei Detailfragen. Im Gegenteil, das oft hastige Regulieren hat sicher zu Widersprüchen und Ueberschneidungen geführt. Diese müssten ausgebügelt werden und das eine oder andere könnte vielleicht sogar zurückgenommen werden.

Die wichtigen Felder sind alle abgedeckt und es sind ja auch keine wesentlichen Neuerungen aus Brüssel zu erwarten.

Jetzt sollte das gesamte Regelwerk in die Praxis umgesetzt und gelebt werden.
Documents